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Sophokles und das antike Theater

Sophokles und das antike Theater

Gliederung
  • 1. Sophokles ( Biografie)
    • 1.1. Allgemeines
    • 1.2. Werke und Verdienste
  • 2. Antikes Theater
    • 2.1. Allgemeines
    • 2.2. Aufbau
    • 2.3. Merkmale und Bedeutung
Sophokles

Dir ist's, o frommer Sophokles, gelungen,
Den Punkt zu schaun, wo Mensch und Gott sich scheidet,
Und was in ird'sche Worte du gekleidet,
Das ward, vom Himmel aus, dir vorgesungen!
Du bist ins Innre dieser Welt gedrungen
Und kennst zugleich, was auf der Fläche weidet:
Was nur ein Menschenbusen hofft und leidet,
Du sprachst es aus mit deinen tausend Zungen!
Nie bist du kühl zur Nüchternheit versunken,
Du sprühtest in erhabener Verschwendung
Der goldnen Flammen lichte, dichte Funken!
An dich erging die heil'ge, große Sendung,
Du hast den Rausch der Poesie getrunken,
Und schimmerst nun in strahlender Vollendung.

                        - August von Platen -


Sophokles

    (von sophia = Weisheit und –kles = Ruhm, verwandt mit dt. Worten wie Glanz, Glas)
  • wurde ca. 496 v. Chr. in Kolonos nahe Athen als Sohn des wohlhabenden Waffenschmiedes Sophilos geboren
  • ausgezeichnete Ausbildung, die viele Themen umfasste, wie z.B.: Dichtung, Schauspiel, Astronomie etc.
  • Unterricht : Gymnastik, Musik, Tanz ( war sehr begabt)
  • als junger Mann erhielt er die Ehre, den Chor zu leiten, der den Sieg in der Seeschlacht bei Salamis im Jahr 480 v. Chr. besang
  • entwickelte sich mit zunehmendem Alter mehr und mehr zu großartigen Dichter und Schriftsteller -> gehörte schnell, zusammen mit Aischylos und Euripides zu besten Dichtern der Antike
  • 468 nahm Sophokles erstes Mal an Dichterwettkampf teil, der alljährlich anlässlich der Dionysyen, der Feste zu Ehren des Gottes Dionysos, stattfand und errang sogleich den ersten Preis
  • erlernte nach eigener Aussage bei Aischylos, das Handwerk des Stückeschreibens
  • 468 v. Chr. besiegte er den aus Sizilien zurückgekehrten Aischylos mit seiner ersten Tetralogie, deren erstes Triptolemos war
  • insgesamt belegt er 20mal den 1. oder 2. Platz, nie aber den 3. Platz.
  • 441 v. Chr.: nach ungefähr 20 Siegen beim Agon- Wettstreit wird Sophokles von seinem Konkurrenten Euripides besiegt
  • trotz zahlreicher ehrenvoller Berufungen ausländischer Könige hat Sophokles – anders als Aischylos und Euripides – Athen nicht verlassen.
  • verkehrte früh in Intellektuellenkreisen
  • früh Bekanntschaft mit führenden Persönlichkeiten Athens
  • von Jugend auf in geistiges / politisches Leben integriert
  • neben seiner Arbeit als Dichter und Schriftsteller übernahm er mehrere ämter der Stadt Athen
  • 443 / 442 v. Chr.: Kassenverwalter des Attischen Seebundes
  • 441 - 439 v. Chr.: Strategenamt zusammen mit dem Staatsmann Perikles (persönliche Beziehung)
Unter der Führung Perikles´, dem größten Staatsmann der dann kommenden Blütezeit, entwickelte sich Athen zu einer Polis, was heute mit einem Stadtstaat zu vergleichen ist. Auch schaffte Perikles es, die vorherige Aristokratie durch die Demokratie abzulösen. Perikles hatte die erste Demokratie der Welt geschaffen. Mit dem Zeitpunkt des Todes von Sophokles, brach auch die Demokratie in Athen langsam wieder zusammen.
  • 428 v. Chr.: Strategenamt zusammen mit Thukydides
  • 413 v. Chr.: Mitglied der beratenden Versammlung der Probuloi
  • 411 Mitglied der oligarchischen Regierung seiner Heimatstadt
  • übte vielfältige kultische Funktionen aus
    • als Priester des Heilheros Halon führte er aus Epidauros den Kult des Asklepios in Athen ein und nahm den Gott bis zur Errichtung eines eigenen Temenos in sein Haus auf
    • war Gründer eines Musenthiasos
    • fungierte als Medium, durch das die Götter zu den Menschen sprachen. Es wird berichtet, dass ihn eine Traumerscheinung des Herakles einen von der Akropolis gestohlenen Goldenen Kranz hat finden lassen. Von der Belohnung soll er ein Heiligtum des Herakles Menytes gestiftet haben
    • war zweimal verheiratet
    • erste Ehe schloss er mit Nikrostrate; dieser Ehe entstammte sein Sohn Iophon, welcher als Dichter ebenfalls zweimal im Wettkampf siegte
    • aus zweiter Ehe mit Theoris entstammte Sohn Ariston
    • beide sind Stammväter einer Dynastie von Tragödiendichter
Extra Info’s : Antike Biographien berichten, dass Sophokles, als sein Sohn Iophon ihn für unmündig erklären lassen wollte, vor Gericht Verse aus seinem Stück Oidipos auf Kolonnos vorgelesen und damit die völlige Haltlosigkeit der Klage seines Sohnes bewiesen habe.

Als Sophokles vom Tod seines großen Konkurrenten Euripides erfuhr, soll er in Trauerkleidern die Dionysien von 406 v.Chr. eröffnet haben.
  • 406 / 405 v. Chr.: Sophokles stirbt im ungewöhnlich hohen Alter von ungefähr 90 Jahren
  • Athener verherrlichen ihn als Heilgottheit „Dexion“ ; Legenden um Leben und Tod des Sophokles entstehen -> soll an Weintraube erstickt sein (unwahrscheinlich)
  • er wurde in der Familiengruft an der Straße nach Dekeleia, elf Meilen vor Athen, bestattet
  • sein Grabmahl war mit einer Sirene oder mit Keledon geschmückt
  • der griechische Dramatiker war hoch angesehen und beliebt in Athen
  • war einer der größten Tragiker der griechischen Antike
  • galt als Liebling der Götter; gesegnet mit Genie, Liebenswürdigkeit und Schönheit gilt er bis heute als einer der überragenden Menschen in der Menschheitsgeschichte
Werke
  • hat riesiges Werk hinterlassen
  • von vermutlich 123 Stücken, die er verfasst hat, sind nur 7 Tragödien und das Fragment eines Satyrspiels erhalten geblieben, da das Papyros mit der Zeit verfiel und die Dramen nur für bestimmt Feste geschrieben wurden, nach einmaligem Aufführen wurden sie nicht mehr beachtet
  • hat seine künstlerische Entwicklung in drei Perioden eingeteilt
  • seine ersten Stücke seien voll aischyleischen &Üuml;berschwanges gewesen, die Stücke der mittleren Periode voller Herbheit und Künstlichkeit
  • erst in der letzten Phase habe er den persönlichen Stil gefunden
    • Aiax                       (455-450 v. Chr.)
    • Trachiniai                (vor 442 v. Chr.),    (Die Trachinierinnen)
    • Antigone                 (442 v. Chr.),    (Antigone)
    • Oidipus tyrannos     (429-425 v. Chr.),    (König Ödipus)
    • Elektra                   (ca 420 v. Chr.),    (Elektra)
    • Philoktetes             (409 v. Chr.),    (Philoktet
    • Oedipus epi kolono  (401 v. Chr. postum aufgeführt),  (Ödipus auf Kolonos)
Entstehung der "Antigone"
  • „Antigone“ ist neben König Ödipus und Elektra meistgespielte und bekannteste Tragödie
  • erste Aufführung der Antigone ca. im Jahre 442 v. Chr. oder ein wenig früher in Athen
  • aufgrund dieser Aufführung wurde Sophokles zusammen mit Perikles beauftragt, als Stratege den 441 v. Chr. ausgebrochenen Aufstand gegen Samos niederzuwerfen
Abhängigkeit des jeweiligen Verständnisses von den Zeitumständen
  • verschiedenen Dichtungen des „Antigone-Stoffes“ sind Abbild der Zeit, in der sie entstanden sind
  • im frühen 19. Jahrhundert galt für Hegel die Antigone- durch die dargestellte Konfliktsituation und die Ranggleichheit von Staat und Religion, Macht und Individuum- als das »vortrefflichste Kunstwerk« überhaupt
  • wie anders liest sich die Auseinandersetzung Kreon - Antigone nach Hitler und Stalin, wie überraschend anders wird der Blick auf Antigone nach Sigmund Freud oder Karl Marx
Verdienste
    Sophokles sind wesentliche Neuerungen der Aufführungspraxis des antiken Theaters zu verdanken
  • veränderte 3 für das damalige Theater grundlegende Dinge:
    • erweiterte Zahl der Schauspieler von zwei auf drei
    • Anzahl der Chorsänger (Choreuten) von 12 auf 15 erhöht,
    • Entstehung erster Bühnenbilder
  • Integration des Chores, Einführung der Bühnenmalerei (Skenographie), Verstärkung der dramatischen Effekte
  • damit Vorraussetzung für die Inszenierung eines dramatischen Geschehens geschaffen

Antikes Theater

  • "Theater": vom griechischen Wort théatron abgeleitet; bezeichnete ursprünglich den Raum für die Zuschauer.
  • später als Gesamtbegriff für Zuschauerraum und Bühne sowie für alle darstellenden Künste
  • heute versteht man unter Theater bestimmte Kunstform
  • Theater ist unmittelbare, lebendige Darstellung eines Geschehens vor Zuschauern mit Hilfe der theatralischen Künste
  • sehr komplexe Kunstform
  • über Gesang, Mimik, Gestik und Sprache wirkt es auf alle Sinne des Menschen ein
  • Besuch des Theaters = politisches Recht, moralische Pflicht des Bürgers
  • Theateraufführungen bildeten im antiken Griechenland einen festen Bestandteil des öffentlichen Lebens
  • Theaterkunst eng verbunden mit gesellschaftlichem Alltag der Menschen
    • im 2. Jh. V. Chr. Leben geprägt von Ackerbau und Viehzucht
    • sog. Ackerbaukulte entstehen (Dionysoskult)
  • in langem Wandlungsprozess Trennung von Theater und ursprünglichem Inhalt (kultisch religiös)
Die Entstehung
  • Haupt- und Grundgedanke des Theaters in Ritualspielen
  • größte Bedeutung hatte dabei der Dionysoskult - die Verehrung des Fruchtbarkeitsgottes Dionysos.
  • in einer mehr als tausendjährigen Geschichte bildete sich aus Ritualspielen und verschiedenen Kulthandlungen zur Ehren der Götter das antike Theater heraus
  • in diesem langen Herausbildungsprozess des Theaters kommt es immer mehr zur Trennung des Theaters von seinem ursprünglich kultisch-religiösem Inhalt
  • das Theater entwickelte sich allmählich zu einer eigenen Kunstgattung
  • Wissenschaftler bezeichneten diesen Entwicklungsprozess als "Säkularisierung des antiken Theaters"
Der Aufbau
    Es gibt drei Hauptbestandteile:
  • 1. Orchestra = Platz für die Vorführungen (Chor, Schauspieler)
    • bildet zu ebener Erde einen weiten Kreis und ist nicht über Zuschauersitze erhöht
    • heißt eigentlich Tanzplatz
    • verlor im Laufe der Zeit an Bedeutung, da Chor weitgehend immer mehr fehlte
    • Spielplatz wurde erhöhte Bühne
  • 2. Theatron = war früher Name für einen Teil des Zuschauerraumes
    • von schauen, zuschauen
    • ist kraterförmig, der Orchestra entsprechend
    • lehnt sich an den natürlichen Hang an (in Athen südlicher Abhang = Akropolis)
  • 3. Skene = abgrenzender Teil (grenzt Segment der Orchestra, das nicht von Sitzreihen umgeben wird, ab)
    • zwischen Orchestra und Skene liegt auf beiden Seiten die Parados (Einzug des Chores)
    • Zelt, Hütte
    • = aus Holz gezimmerter Bau mit flachem Dach
    • dort zogen sich die Schauspieler um
      • hat sich im Laufe der Zeit verändert
      • in archaischer Zeit nur ein Schauspieler (Antwort auf den Chor)
      • Aischylos führte zweiten Schauspieler ein (-> Verminderung der Vorherrschaft des Chores)
      • Sophokles führte dritten ein
      • diese zogen sich in Skene um da Stücke oft mehr als zwei bis drei Personen verlangten
      • Chor spielte in Umzugszeit
      • war erst kleiner, später Anpassung an komplizierter werdende Stücke
      • wurden länger und größer
      • Annahme: Aufbewahrung von Requisiten
      • war auch Bühnenrückwand
      • schon zu Aischylos´ Zeiten Auftreten von Schauspielern auf dem Dach
  • Epidaurostheater: erbaut im späten 4. Jahrhundert vor Christus
  • 55 Sitzreihen, 14000 Zuschauer, oberste Reihe = 20 Meter über Orchestra -> gute Akustik
  • Schauspieler:
    • spielt mehrere Rollen
    • nur Männer
    • trugen Masken (schnelles Rollentauschen + Frauenrollen)
    • Chor = zentrale Rolle: Vermittler zwischen Darstellern und Zuschauern
    • hohes Ansehen
    • befreit vom Kriegsdienst
    • Berufsorganisation: Vermittlung von Aufführungen
    • hohe Gagen für Stars
  • Zuschauer:
    • alle sozialen Schichten der Bevölkerung
    • ärmere Bürger: Freikarten
    • nur Männer (Frauen auf obersten Rängen in geschlossenen Gruppen)
    • keine Sklaven
Die wesentlichen Merkmale des antiken griechischen Theaters

An erster Stelle ist es ein Festspieltheater. Dieses Merkmal lässt den kultisch-religiösen Ursprung des antiken Theaters erkennen.
Zweitens ist das griechische Theater ein Massentheater. Diese Eigenschaft geht ebenfalls auf die kultisch-religiöse Geschichte zurück. Die griechischen Festtage waren heilig. Der Besuch der Theateraufführungen war politisches Recht und religiös-moralische Pflicht des Bürgers.
An den großen Dionysien (den größten Festen zu Ehren Dionysos) z.B. strömten z.B.14.000 bis 17.000 Zuschauer in das Theater am Fuße der Akropolis in Athen.
Das Freilichttheater bildet das dritte Wesensmerkmal des antiken Theaters. Freilichttheater heißt, dass die Aufführungen unter freiem Himmel stattfanden.
Das Kernstück des griechischen Theaters ist die Orchestra, der kreisrunde Tanzplatz des Chores. Das antike Theater ist aus Chortänzen entstanden und wird von der Orchestra nachdrücklich geprägt, deshalb ist die Orchestra der älteste Bestandteil. Sie wird durch das Theatron, dem Zuschauerraum annähernd zur Hälfte umschlossen. Das Theatron zieht sich stufenförmig bis zur Orchestra hinunter und ist durch Quer- und Längsgänge in Sektoren, den so genannten Kerkides, eingeteilt. Die Quergänge werden als Diazomata bezeichnet. Die Zuschauerplätze waren nur Vertiefungen in den Stufen des Theatrons,auf denen man sitzen konnte.
Im antiken Theater gab es natürlich auch einen Ehrenplatz - das Prohedrion. Zuerst befand sich dieser Ehrensitz unmittelbar an der Orchestra. Später verlegte man ihn in den mittleren Rang.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Skene. Das ist das Theatergebäude hinter der Orchestra, das als Umkleideraum für die Schauspieler und als Requisitenkammer diente. Die Skene wurde als rückwärts begrenzender Gebäudekomplex architektonisch ausgestaltet. Vor der Skene befindet sich ein niedriger Anbau auf Pfeilern - das Proskenion. Dieser Anbau ist mit der Skene durch das Logeion verbunden. Das Logeion ist die Rampe, die das Proskenion nach oben hin abschließt. Später war es der Platz , auf dem die gesamte Haupthandlung ablief. Vorher agierten die Schauspieler auf der Orchestra.
Auf der linken und rechten Seite der Skene führt ein seitlicher Zugang zur Orchestra. Diese Zugänge nennt man Parados.
Viertens wird das griechische Theater als ein Theater der Konvention bezeichnet. Das kommt zum Ausdruck in Form von festen Bauformen der griechischen Tragödie und Komödie und reicht über konventionelle Handlungs- und Spielelemente bis hin zu geregelter Schauspielerzahl und obligatorischem Chor, zu Maske und Einheitsbühne.

Bedeutung
  • Entwicklungszeit des antiken Theaters war durch Konflikt zwischen Herrschaftsformen Aristokratie und Demokratie geprägt
  • Kunst musste sich mit den traditionellen Werten und dem Fortschritt auseinandersetzen
  • Politik im antiken Theater indirekt angesprochen -> Isolation der Politik von der Gesellschaft sollte verhindert werden
  • griechisches Theater half zu erkennen, was moralisch richtig oder falsch war
  • man wurde mit der eigenen Lebenssituation konfrontiert und es schuf Distanz und Ausgleich zum eigenen Leben
  • das antike Theater machte den Bürgern die grundsätzlichen Probleme ihres Lebens bewusst
  • auch zur Unterhaltung der Menschen dienen
Quellen:
 - www.wikipedia.org
 - www.schoolwork.de
 - sophokles.odysseetheater.com
 - www.e-hausaufgaben.de
 - www.referate-archiv.net
 - www.school-scout.de
 - www.renebohnsack.de

> Bewertung: 11 Punkte (entspricht in einfacher Benotung einer 2)
> Vortrag gehalten am 06.12.04 im Leistungskurs Deutsch (Klasse 11)
> Dauer: ca. 45 Minuten