Menu Content/Inhalt
Home arrow Wissen
Die Stunde Null

Die Stunde Null - Das Ende des Zweiten Weltkrieges
Deutscher Augenblick zwischen Vergangenheit und Zukunft

  • Zeitpunkt der Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945, 24:00 Uhr wird in Deutschland als "Stunde Null" bezeichnet
  • 55 Mio. Menschen gestorben, 30 Mio. ohne Heimat, 35 Mio. verwundet
  • außerdem über 11 Millionen Wehrmachtsangehörige 1945 in Kriegsgefangenschaft
  • durch Kriegszerstörung stehen große Teile der deutschen Bevölkerung praktisch vor dem Nichts
  • Städte und Wohnungen sind zerbombt und ausgebrannt, viele wissen nicht wohin
  • in Westdeutschland 1/4 des Wohnraums völlig zerstört, in sowjetischer Besatzungszone ungefähr 1/10
  • Ende 1946 stehen für 14 Millionen Haushalte nur 8 Millionen Wohnungen zur Verfügung
  • Der Zustrom von Flüchtlingen und Ausgewiesenen verstärkte dieses Problem
  • Industrie- und Versorgungseinrichtungen zerstört
  • Alltagsprobleme sind Kälte und Hunger
  • Millionen von Umsiedlern, Vertriebenen, Flüchtlingen, befreiten Häftlingen der Konzentrationslager und Gefängnisse, Zwangsarbeitern und aus dem Kriegsdienst entlassenen suchen nach Angehörigen und einem neuen Zuhause

Die Seelische Not

  • Erschöpfung, Ratlosigkeit, hilflos, Ungewissheit, Sorge, Trauer -> aber Erleichterung dass Krieg und Morden aufhörte
  • Suche nach Angehörigen, Angst vor Zukunft
  • Demütigung durch die Hingabe der NS-Herrschaft, die lange Zeit freudige Zustimmung und Hingabe für die NS- Ideologie, das Entsetzen über die Verbrechen des Regimes, von denen man nicht nur ahnte, von denen die meisten wussten -> damit mussten die Deutschen jetzt umgehen
  • musste gerechtfertigt, geleugnet oder beschwiegen werden
  • vorher: propagierte Ideale des Dritten Reiches- nationale Größe, Wohlstand und Sicherheit in Volksgemeinschaft ohne Klassenschranken -> fanden Wirklichkeit: Terror und Verfolgung, grenzenloser Verfügungsanspruch auf Menschen, Machtgier und beispiellose Korruption auf allen Ebenen
  • wer sich damals bereitwillig unterworfen hatten, hielt sich nun für unschuldig und missbraucht
  • Gräuel-Nachrichten der Nazis über Russen (Zunge auf Tisch nageln) haben sich nicht bestätigt, Angst vor Russen legt sich schnell
  • Menschen leben am Existenzminimum oder darunter
  • Not fördert Kriminalität und Prostitution
  • Hunger ist Hauptproblem der Nachkriegszeit
  • Plünderungen weil Hunger
  • jeder hat versucht irgendetwas zu bebauen, man züchtete Kaninchen und aß Brennnesseln, Sauerampfer, Flieder
  • Zuckerrüben ( Blätter: Spinat; Rübe: Sirup; Geraspeltes: Klitscher)
  • Wille wuchs: alle haben freiwillig mit angegriffen
  • vielen Flüchtlinge und Vertriebenen besitzen oft nur noch das, was sie am Leib tragen
  • Menschen wurden erfinderisch
  • Töpfen in denen gekocht wurde, wurden auch zum Wäschewaschen benutzt; Kleidungsstücke bekam man aus der Kleiderkammer -> diese Kleider kamen aus Koffern, die bei der Flucht oder Vertreibung am Bahnhof vergessen wurden -> man durfte einmal hingehen sich etwas aussuchen
  • Hygienische Begebenheiten waren so schlecht, dass man schnell erkrankte und die Ärzte konnten einem nicht oft helfen
  • Gewohnheiten: alte Leute schmeißen kein Essen weg oder haben Mitgefühl mit sehr armen Menschen

Die Jugend

  • Vater war vielleicht im Krieg aber wusste nicht wo oder ob Tod und wenn Mutter krank war, tot oder im Krankenhaus, dann waren Kinder auf sich allein gestellt und mussten allein zurechtkommen
  • es galt nur eins: Essen beschaffen um zu überleben
  • weniger wichtig: waschen, Haare kämmen, Zähne putzen, Kleidung wechseln
  • Läuse auf dem Kopf
  • suchten in Ruinen nach Essen, oder Sachen die man gegen Essen eintauschen konnte
  • im Frühling essbare Pflanzen gegessen z.B. auf Sauerampfer oder Flieder rumgekaut, Brennnesseln
  • Eier und Hühner in Hühnerställen gestohlen
  • Jugendliche bildeten Cliquen, in denen sie zusammenhielten, füreinander da waren und sich geborgen fühlten
  • Holzzäune, Sträucher verschwanden über Nacht, weil Menschen Feuerholz brauchten
  • kam auch vor dass Lehrerin bessere Noten gab, weil Kaninchen geschlachtet wurde
  • Kaugummis von Amis
  • Gefahr der Verwahrlosung, der Verrohung, des Abgleitens ins Kriminelle lauerte überall
  • Antifaschistische Jugend- und Frauenausschüsse bemühten sich darum, die Jugendlichen in "normale Bahnen" zu lenken und sie von der Straße weg zu bringen
  • Familien zerrüttet, Mütter allein stehend, Kinder trieben sich herum
  • Hunger, Krankheiten, Kälte -> Krankheiten, Mangelerscheinungen
  • Ausgangssperre ab 20 Uhr
  • nach dem Krieg Neulehrer, z.B. Abiturient aus Krieg zurückgekommen
  • alle Bücher mussten abgegeben werden, damit Gedankengut aus Köpfen
  • Einfluss des Elternhauses spielte große Rolle
  • Jugend war wissensdurstig: bei Treffen der antifaschistischen Jugend wurden wissenschaftliche Vorträge gehalten (Atombombe, Dichter, Maler, Goethe, Remarque, Darwin, Marx); Fahrten nach Buchenwald

Die Wirtschaft

  • schon kurz nach Kriegsende wird die Ernährungslage der Bevölkerung äußerst kritisch
  • im Chaos der Wochen nach der Kapitulation bricht die staatliche Lebensmittelversorgung und Verkehrssystem komplett zusammen
  • 40% der Eisenbahnlinien und anderer Transportwege waren 1945 nicht mehr funktionsfähig, was die Verteilung von Nahrungs- und Versorgungsmitteln erheblich behinderte
  • mit den seit April 1945 unter polnischer Verwaltung stehenden Ostgebieten verlor Deutschland 1/4 seiner bisherigen landwirtschaftlichen Nutzfläche
  • der ständig wachsende Flüchtlingsstrom, fehlende Arbeitskräfte und veraltete Maschinen führen dazu, dass Deutschland auf Lebensmittellieferungen der Alliierten angewiesen ist
  • mit Lebensmittelkarten und Bezugsscheinen, Brennstoff- und Schuhbesohlungskarten wurde der Mangel bürokratisch organisiert
  • die auf Lebensmittelkarten zu kaufende Nahrung reichte für die Menschen nicht aus
  • durchschnittlicher Kalorienverbrauch in Deutschland im Jahre 1936: 3113 Kalorien, Frühjahr 1945: 2010 Kalorien, 1946 Tiefstand zw. 1330 bis 900 je nach Zone amtlich festgelegte Kalorienzahl
  • Internationale Hilfsorganisationen versuchen mit Lebensmittelsendungen die schlimmste Not zu lindern
  • Schwerarbeiter, Schwerstarbeiter, Bergleute erhielten Zulagen oder hatten Anspruch drauf
  • mit dem Wiederaufbau staatlicher Kontroll- und Verteilungsinstitutionen und der Ernte im Herbst 1945 entspannt sich die Lage vorübergehend, so dass die Rationen auf 1500 bis 1700 Kalorien je nach Region und Besatzungszone gesteigert werden können
  • die alliierten Reparationsforderungen sollen durch Demontagen beglichen werden -> verschlimmerten die wirtschaftliche Lage
  • Potsdamer Konferenz (17. Juli - 2. August 1945) einigen sich die Vier Mächte auf politische Grundsätze für die Behandlung Deutschlands: Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Dezentralisierung, Dekartellisierung und Demokratisierung
  • Winter 1946/47 blieb als Hungerwinter in Erinnerungen hängen erbarmungslos kalt und lange dauernd, Eis und Schnee legen den Verkehr zu Wasser und zu Lande weitgehend lahm, Getreidelieferungen aus Amerika liegen in den Häfen fest, Kartoffelsonderlieferungen für das Ruhrgebiet kommen erfroren an, Vieh aus Bayern kann nicht transportiert werden hatte die letzten Reserven gekostet, die Menschen hoffnungslos gemacht und durch den Zusammenbruch der Infrastruktur in drei Frostwellen die Ernährungs- und Wirtschaftskrise zur Dauerkrise werden lassen
  • Hungerdemonstrationen und Streiks in Norddeutschland
  • die Lebensmittelsendungen aus dem Ausland für die hungernden Deutschen sind von unschätzbarem Wert
  • Pakete der amerikanischen Hilfsorganisation CARE werden zum Symbol für die ausländische Unterstützung
  • doch auch die Streitkräfte der Besatzungsmächte, die Kirchen und die UNO versuchen zu helfen
  • in vielen deutschen Städten legen die Trümmerfrauen den Grundstein zum Wiederaufbau
  • viele Männer sind im Krieg gefallen oder verkrüppelt, vermisst oder in Kriegsgefangenschaft geraten und so tragen die Frauen oft allein die Last im täglichen Existenzkampf
  • Sorge ums Überleben treibt viele Frauen freiwillig zur Trümmerbeseitigung, denn sie garantiert neben Lohn auch höhere Lebensmittelrationen, welche für viele Familien überlebenswichtig ist
  • allein in Berlin gab es 60.000 Trümmerfrauen
  • offizielle Bezeichnung lautet "Hilfsarbeiterinnen im Baugewerbe"
  • verrichteten Schwerstarbeit, "klopfen" sie Steine, laden sie mit Schaufeln auf große Pferdewagen, die sie selber ziehen müssen oder schieben mit Schutt beladene Loren über die Schienen
  • Monatelang wird der Schutt aus den Städten geschafft, um die Straßen wieder passierbar zu machen
  • neues Baumaterial muss gewonnen werden
  • Unzählige Abbruchziegel müssen mühsam "gepickt", das heißt vom alten Mörtel gereinigt werden, damit sie erneut verbaut werden können
  • Werkzeug und Transportmittel fehlen
  • Holprige Schienen und quietschende Loren gehören zum Alltagsbild der Städte
  • in langen Schlangen stehen die Menschen in den Trümmern, reichen Steine und Ziegel weiter
  • sind zum Symbol für Aufbauwillen und Überlebenskraft der Deutschen in der Nachkriegszeit geworden
  • obwohl die nationalsozialistische Propaganda die Frau auf die Rolle als Mutter und Hausfrau festlegen wollte, hatte die Kriegswirtschaft die zunehmende Integration der Frauen ins Erwerbsleben erzwungen
  • dadurch das Großteil des Wiederaufbaus in Händen der Frauen lag und die ihre Kinder alleine durchbringen mussten, stieg deren Selbstbewusstsein, so dass viele nach der Rückkehr ihrer Männer nicht mehr bereit waren, sich wieder in die traditionelle Rollenverteilung zu fügen -> Scheidungsrate von 1939- 1948 stieg von 9 auf 19%
  • aber auch Gegenteil, weil materielle Not und ungewisse Zukunft suchten viele Frauen Schutz und Geborgenheit durch die Rückkehr zu alten Rollenbildern

Die Hamsterfahrten

  • kurz nach Kriegsende setzen die Hamsterfahrten ein
  • Massenhaft begeben sich die Städter aufs Land, denn hier ist die Versorgungslage weitaus besser
  • in überfüllten Zügen, in Güterwaggons, zu Fuß und mit dem Fahrrad, oft tagelang ohne zu rasten und zu schlafen, durchstreifen sie die Dörfer, um Butter, Speck, Kartoffeln gegen Hausrat, Kleidung oder Wertgegenstände zu tauschen
  • Viele Bauern lassen sich die Lebensmittel teuer bezahlen
  • Wer nichts zu "verhamstern" hat, sei es durch Ausbombung oder Flucht und Vertreibung, steht schlecht da
  • Viele, die keine Tauschwaren besitzen, besonders Frauen verdingen sich bei den Bauern als Arbeitskräfte gegen Naturallohn
  • andere müssen froh sein, wenn in ihren Betrieben Produkte hergestellt werden, die "kompensierbar" sind
  • In dieser Notzeit erteilt der Kölner Kardinal Frings für kleinere "Ungenauigkeiten" in Eigentumsfragen von der Kanzel herab die Absolution. Lebensnotwendiges zu nehmen, wenn es weder durch Arbeit noch durch Bitten zu bekommen sei, erklärt er für erlaubt. "Fringsen" wird zum geflügelten Wort
  • Häufig wird das mühsam "Gehamsterte" auf dem Weg nach Hause beschlagnahmt
  • An Bahnhöfen und Ausfallstraßen finden Kontrollen statt, denn "Hamstern" ist offiziell verboten
  • Kontrollen, das "Hamstern" zu unterlassen, zeigen keinerlei Wirkung
  • nach und nach werden die strengen Regelungen gegen das "Hamsterunwesen" entschärft, Lebensmittel in bestimmten, festgelegten Mengen, die der Selbstversorgung dienen, nicht mehr eingezogen

Der Schwarzmarkt

  • die Rationalisierung der Lebensmittel und Mangel an Brennstoff ließen Schwarzmarkt entstehen
  • Sachwerte werden dort gegen Nahrungs- und Genussmittel getauscht
  • vom Fahrradschlauch bis zur komplizierten Maschine ist auf dem Schwarzmarkt fast alles zu bekommen, vorausgesetzt, man hat entsprechende Gegenwerte zu bieten
  • "Ami-Zigaretten" werden anstelle der wertlosen Reichsmark zur Ersatzwährung
  • Versuche der Alliierten, durch Razzien und drastische Strafandrohungen den Schwarzhandel zu unterbinden, bleiben erfolglos
  • erst die Währungsreform vom Juni 1948 und die damit einhergehende Normalisierung des Warenangebots trocknen den Schwarzmarkt aus

Hunger nach Kultur

  • trotz Hunger- und Wohnungsnot regt sich in den Besatzungszonen erstaunlich rasch nach dem Krieg ein bescheidenes kulturelles Leben unter Lizenz und Kontrolle der Besatzungsmächte
  • erste Konzerte und Theateraufführungen finden statt, obwohl im Westen die Hälfte aller Bauten im Krieg zerstört wurde
  • Museen zeigen von den Nationalsozialisten als "entartet" verbotene Kunst und Werke der klassischen Moderne
  • neue deutsche und ausländische Filme laufen in den Kinos
  • Zeitungen und Zeitschriften erscheinen wieder
  • Rundfunk wird neu organisiert
  • obwohl großer Teil der Theater zerstört ist, wird der Spielbetrieb sofort nach dem Krieg wieder aufgenommen
  • Nachholbedarf ist groß, da zahlreiche Stücke und Autoren des Auslands unter den Nationalsozialisten nicht gespielt werden durften
  • auch Arbeiten deutscher Autoren, die im "Dritten Reich" verfemt waren, kommen (wieder) auf die Bühnen
  • am schnellsten erholt sich das Musikleben von den Nachwirkungen des Krieges
  • schon wenige Tage nach der Kapitulation können erste Konzerte veranstaltet werden
  • Jazz, unter den Nationalsozialisten als "Negermusik" verfemt, erfährt vor allem in den Großstädten ein überzeugendes Comeback
  • der Film wird ein wichtiges Medium zur Thematisierung von Krieg und NS-Verbrechen
  • erste deutsche Nachkriegsproduktionen wie Wolfgang Staudtes "Die Mörder sind unter uns" stellen die Frage nach der Schuld
  • die so genannten Trümmerfilme versuchen, Heimkehrerschicksale oder die Lebensumstände im Trümmer-Alltag zu erfassen
  • die Wiederanfänge der Presse sind angesichts des Papier- und Maschinenmangels schwierig
  • Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, auch Schallplatten und Veranstaltungen müssen von der jeweils zuständigen Besatzungsmacht genehmigt werden
  • Eine Lizenz der Besatzungsmächte ist Voraussetzung, um eine Zeitung herausgeben zu können
Quellen:
 - Deutsches Historisches Museum
 - Onlineangebot des Stern
 - Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches, Bundeszentrale für Politische Bildung
 - Eigene Recherchen

> Bewertung: 12 Punkte (entspricht in einfacher Benotung einer 2+)
> Vortrag gehalten am 10.01.06 im Grundkurs Geschichte (Klasse 12)
> Dauer: ca. 30 Minuten